6. Okt. 2026

Fall Nr. 031

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Vorstellungsgrund

Anamnese

Eine 66-jährige Frau stellt sich mit seit vier Stunden bestehenden heftigen rechtsseitigen Kopfschmerzen, Übelkeit und wiederholtem Erbrechen vor. Zugewiesen wurde sie als möglicher abdomineller Notfall. Auf Nachfrage berichtet sie, das rechte Auge schmerze und sie sehe Farbringe um Lichtquellen.

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Diagnose

Akuter Glaukomanfall (Winkelblockglaukom)

Entscheidende Befunde

  • Kopfschmerz und Erbrechen, die Augensymptome kommen erst auf gezieltes Nachfragen zutage
  • Mittelweite, ovale, lichtstarre Pupille, nicht eng wie bei der Uveitis
  • Ziliare Injektion mit trüber Hornhaut und Ringen um Lichtquellen
  • Hyperopie plus zwei pupillenerweiternde Auslöser: dunkler Raum und anticholinerges Antihistaminikum
  • Augeninnendruck von 54 mmHg bei engem, verschließbarem Kammerwinkel am Partnerauge

Behandlung der ersten Wahl

Acetazolamid i.v. mit Lokaltherapie, danach Laser-Iridotomie

Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen schicken diese Patienten häufig auf eine abdominelle oder neurologische Schiene, und die Diagnose wird verpasst, bis jemand nach dem Auge fragt. Die entscheidenden Merkmale sind allesamt okulär: ein rotes Auge mit ziliarer Injektion, eine durch Epithelödem trübe Hornhaut und eine mittelweite, ovale, lichtstarre Pupille. Diese Pupille ist das Schlüsselzeichen: eine enge Pupille spräche für eine anteriore Uveitis, eine normale für eine Konjunktivitis, während die Mittelweite genau dann entsteht, wenn sich die Iris im Kammerwinkel staucht und den Kammerwasserabfluss blockiert. Die Ringe um Lichtquellen entstehen durch Lichtbeugung im Hornhautödem. Prädisponierend ist die Hyperopie mit flacher Vorderkammer und engem Kammerwinkel, und beide Auslöser liegen hier vor: schwaches Licht mit physiologischer Pupillenerweiterung und ein Antihistaminikum mit anticholinerger Wirkung, das dasselbe pharmakologisch bewirkt. Ein Augeninnendruck von 54 mmHg gegenüber einem Normbereich von 10 bis 21 mmHg sichert die Diagnose. Die bleibende Schädigung des Sehnervs beginnt innerhalb von Stunden, der Druck muss also jetzt sinken: Acetazolamid intravenös, um die Kammerwasserproduktion zu drosseln, Pilocarpin-Augentropfen, um die Pupille zu verengen und die Iris aus dem Kammerwinkel zu ziehen, dazu ein topischer Betablocker und ein Alphaagonist, und die Patientin wird flach gelagert, damit die Linse von der Iris zurückweicht. Das alles überbrückt nur. Die Heilung ist die Laser-Iridotomie, die dem Kammerwasser einen Weg am Pupillarblock vorbei schafft, und der enge, verschließbare Kammerwinkel am beschwerdefreien linken Auge ist der Grund, sie beidseits durchzuführen: das Partnerauge ist anatomisch identisch und hat seinen Auslöser bloß noch nicht getroffen.