10. Okt. 2026

Fall Nr. 035

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Vorstellungsgrund

Anamnese

Ein 28-jähriger Mann hat seit drei Tagen ein schmerzhaftes, rotes linkes Auge. Helles Licht verstärkt den Schmerz, das Sehen ist verschwommen. Das Auge tränt, sondert aber kein Sekret ab. Zwei Tage Chloramphenicol-Augentropfen vom Hausarzt halfen nicht.

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Diagnose

Akute anteriore Uveitis

Entscheidende Befunde

  • Schmerzhaftes, lichtscheues rotes Auge, das tränt ohne Sekret und auf Antibiotikatropfen nicht ansprach
  • Rötung ringförmig am Limbus statt über die gesamte Bindehaut verteilt
  • Enge, entrundete Pupille durch Verklebungen, nicht die mittelweite starre Pupille des Glaukomanfalls
  • Augeninnendruck mit 12 mmHg normal, was einen akuten Druckanstieg ausschließt
  • Zellen, Tyndall-Effekt und Hornhautpräzipitate, mit HLA-B27 und Sakroiliitis hinter dem Rezidiv

Behandlung der ersten Wahl

Topische Kortikosteroide mit einem Zykloplegikum

Ein rotes Auge lässt sich nur über das Verteilungsmuster der Rötung und den Pupillenbefund einordnen. Hier konzentriert sich die Injektion ringförmig am Limbus und nimmt nach außen ab: das ist ziliar und nicht konjunktival und weist ins Augeninnere. Eine Konjunktivitis rötet die gesamte Bindehaut, spart diesen Ring aus, sondert Sekret ab und fühlt sich sandig statt wirklich schmerzhaft an, weshalb die antibiotischen Tropfen nichts bewirkten. Die Pupille klärt den Rest. Sie ist hier eng und entrundet, weil die entzündete Iris an der dahinterliegenden Linse festklebt, während der akute Glaukomanfall eine mittelweite, ovale, lichtstarre Pupille hinterlässt; ein normaler Augeninnendruck von 12 mmHg schließt diese Diagnose ohnehin aus. Zellen und Tyndall-Effekt sind Eiweiß und Leukozyten aus entzündeten Gefäßen, und die feinen Beschläge am Hornhautendothel sind Präzipitate; zusammen sind sie beweisend für eine anteriore Uveitis, und klarer Glaskörper, gesunde Papille und unauffällige Netzhaut begrenzen den Prozess auf den vorderen Augenabschnitt. Der systemische Kontext erklärt das Rezidiv, denn HLA-B27 mit entzündlichem Rückenschmerz und Sakroiliitis entspricht einer axialen Spondyloarthritis, der häufigsten Assoziation; negative Syphilis- und Tuberkulosediagnostik räumt die infektiösen Ursachen aus, die gegen Steroide sprächen. Diese Entwarnung ist es, die die Behandlung erlaubt: ein intensiv dosiertes topisches Kortikosteroid, zunächst stündlich Prednisolonacetat und über mehrere Wochen ausgeschlichen, um die Entzündung zum Stillstand zu bringen. Ein Zykloplegikum wie Cyclopentolat kommt aus zwei Gründen dazu: es lindert den Schmerz des Ziliarspasmus und hält die Pupille in Bewegung, sodass die bereits bestehenden Verklebungen seiner Iris sich nicht festsetzen oder vorher gelöst werden können. Der Augeninnendruck wird durchgehend kontrolliert, da ihn sowohl die Erkrankung als auch das Steroid anheben können. Und eine zweite Episode vor dem Hintergrund einer Sakroiliitis ist das Argument, ihn in die Rheumatologie zu schicken, statt erneut nur das Auge zu behandeln.